Tonga – Tongatapu

By ingebott

Wer träumt nicht davon, einmal das Inselreich Tonga im Südpazifik zu besuchen?

Tonga liegt im Südwestpazifik und besteht aus einer Doppelkette von 169 Inseln südwestlich von Samoa und östlich von Fidschi.

Nachdem wir unseren Van gut verkauft hatten, blieben uns noch 2 Wochen bis zu unserem Weiterflug nach Hongkong. Die Zeit wollten wir nutzen, um wenigstens eine der vielen pazifischen Inseln zu sehen.

Über unseren Reiseführer haben wir Kontakt zu Toni’s Guesthouse aufgenommen. Toni ist Engländer und lebt schon seit 18 Jahren hier auf der Insel. Wir wurden vom Flughafen abgeholt und gleich zu einer Kava-Session eingeladen. Kava ist ein traditionelles Getränk hier in Tonga, das bei religiösen und kulturellen Anlässen konsumiert wird. Es schmeckte reichlich bitter.

Die Unterkünfte waren einfach und bestanden aus einem Doppelbett mit einem Moskitonetz und es gab Duschen mit heißem Wasser. Was will man mehr? Wir waren mitten auf Tongatapu, 5 km von der Hauptstadt Nuku’alofa entfernt, in einer ländlichen Idylle. Selbst die Hauptstraße war fast einen km weit weg und nur über schlechte Straßen zu erreichen.

Toni bietet uns Tagestouren rund um die Insel an. Er ist mit seinen 67 Jahren noch recht fit und hat vor 2 Jahren eine 38 jährige tonganische Frau geheiratet, mit der er zusammen den Laden schmeißt. Toni beklagt sich darüber, dass er keine zuverlässigen Leute findet, die für ihn arbeiten. Oftmals scheitert es an der Sprache, aber viele Tongaer wollen auch keine regelmäßigen Jobs. Für sie ist es eine Prestigesache, ob sie sich was leisten wollen oder nicht.

Natürlich lassen wir uns die Inselrundfahrt nicht entgehen. Hier sind wir im Nordwesten der Insel. Die Strände sind noch unberührt und wunderschön. Toni erzählt uns, dass die Fluggesellschaften Flüge nach Tonga streichen wollen, weil die Flugzeuge nicht ausgelastet sind. Aber es gibt auch Einheimische, die keine Touristen wollen. Sie kippen einfach ihren Müll auf die Straße, um der Tourismusbehörde das Leben schwer zu machen.

Um die ganze Insel herum gibt es Riffe, die die Wellen brechen, aber zum Schnorcheln sind sie leider nicht geeignet. Die Riffe sind oft zu flach, sodass man sich an den scharfen Kanten verletzen könnte. Und vor den Riffen zu schwimmen ist zu gefährlich, da die Strömung zu stark ist.

Das hier ist eines der Resorts auf der Insel, die direkt am Strand liegen. Markus und ich sehen uns die Ferienanlage an. Auf dem ersten Blick sieht alles sehr ordentlich und gepflegt aus, aber offensichtlich wären wir die einzigen Gäste hier. Da das Resort noch weiter abgelegen ist als Toni’s Guesthouse, wollen wir der Zweisamkeit lieber entfliehen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die blowholes im Süden der Insel. Die Aussicht ist einfach spektakulär. Unzähligen Fontänen sprühen bis zu 30 Meter hoch. Aufpassen muss man nur, aus welcher Richtung der Wind kommt, sonst hat man schnell eine ungewollte Dusche abbekommen.

Die beste Zeit, einen Spaziergang am 6 km Strandes zu machen, ist bei Flut. Dann kann man Hunderte von blowholes entlang der terrassenförmigen Felsvorsprünge sehen, die durch die engen Ritzen der Felsen empor preschen und wie mit unzähligen Springbrunnen die Küste säumen.

Einen weiteren Weg führt uns Toni durch die „toganischen Alpen“ zu einem natürlichen Felsbogen an der hier steil abfallenden Küste. Der Vergleich mit den Alpen ist wohl ironisch gemeint, da die höchste Erhebung Tongatapus 45 Meter beträgt.

Toni kennt natürlich die schönsten Ecken auf der Insel. Er ist Hobbygärtner und erzählt uns viel über die Pflanzen, die hier wachsen und gedeihen. Er sagt, es wächst alles. Man muss es nur zur richtigen Zeit in die Erde stecken und warten, bis es gedeiht. Selbst Tomaten wachsen hier einfach am Boden entlang.

Das Ha’amonga ‘a Maui Trilithon ist eines der ältesten polynesischen Monumente.
Die Legende berichtet, dass die polynesische Gottheit Maui die mehr als 40 Tonnen wiegenden Hinkelsteine hierher geschleppt und aufgestellt habe.

Tonga hat ein gut ausgestattetes Erziehungssystem, das freien Zugang zu Bildung ermöglicht. Für alle Kinder bis zum zwölften Lebensjahr besteht Schulpflich, die Gebühren für weiterführende Schulen sind gering und es gibt Stipendien für eine weitere Ausbildung im Ausland. Die Alphabetisierungsrate beträgt 98 %, und universitäre Abschlüsse sind verbreitet. Dennoch ist die Bevölkerung ist vergleichsweise arm.

Die etwa 101.000 Einwohner sind zu 98 % Polynesier. Die übrigen Einwohner sind meist Europäer oder Chinesen und Inder. König Tupou IV. war in den 70er Jahren wegen seines Körpergewichts weltweit bekannt geworden. Mit über 200 Kilogramm war er der schwerste Monarch der Welt. Da Übergewichtigkeit in Tonga ein allgemeines Problem ist, startete der König in den 90er Jahren eine große Kampagne für Fitness und gesunde Ernährung und verlor dabei ein Drittel seines Gewichts. Der 88-Jährige hatte das Inselreich Tonga im Südpazifik mehr als 41 Jahre lang regiert. Sein Sohn Kronprinz Touputo´a wurde als Nachfolger vereidigt.

Ein Besuch eines traditionellen, tonganischen Abends im Kulturzentrum Nuku’alofas lohnt sich, auch wenn von der alten polynesischen Kultur nichts mehr vorhanden ist. Immerhin war es einstmals eine großartige Kultur, welche über 2500 Jahre bestehen konnte.

Die Einheimischen tanzen vor einem gemalten Palmenstrand, um den Touristen die heile Südseewelt vorzuführen. Die Veranstaltung war inklusive eines Buffet, das mit kulinarischen Genüssen reichlich gedeckt war. Die Menschen aus Tonga essen gerne, viel und vor allem traditionell sehr kalorienreich. Dicke Menschen auf Tonga gelten noch immer als schön und verkörpern das Gesunde.

Glasklares Wasser, intakte Korallen und ein großer Fischreichtum – das ist selbst auf Tonga nicht mehr selbstverständlich. Denn vor einigen Jahren vergab der König die Fischereirechte an Japan und China. Und da das Königreich in ständiger Finanznot lebt, werden überdies täglich mehrere Tonnen Korallen abgebrochen und an die Aquarien-Industrie verkauft. Von unserem Schnorchel-Tagesausflug nach Pangaimotu waren wir jedenfalls nicht gerade überwältigt. Es gab zwar ein paar Korallen zu sehen, aber der Weg hat sich nicht gelohnt.

Eine Antwort schreiben